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Der lise Blog:
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20 Jahre lise GmbH: Ein Interview mit den beiden Gründern Tobias und Daniel zu Highlights, Meilensteinen und Herausforderungen

23. Juli 2019 von Avatar of Jana BehrJana Behr

 

 

Jana Behr: lise ist dieses Jahr 20 Jahre alt. Erzählt mal, wie alles begann...

Daniel Schwarz: In der Tat kennen wir uns schon viel länger. Wir sind schon zusammen zur Schule gegangen und haben auch zusammen Abitur gemacht. Wir sind ein Duo, das unterschiedliche Skills mit reinbringt. Tobias brachte vor allem den technischen Skill mit, ich eher das Talent zu organisieren. Tobias hat mit 15 Jahren die erste kommerzielle Software verkauft, den “Amiga Organizer”, quasi ein Outlook für den Commodore Amiga.

Dr. Tobias Krautkremer: Ja, meine große Leidenschaft war der Amiga. Mit dem Verdienst konnte konnte ich mir dann allerdings meinen ersten eigenen PC kaufen, einen Pentium 60!

J. B.: Wie ging es weiter? Ihr hattet schon in der Schule euer erstes gemeinsames erfolgreiches Projekt?

D. S.: Ja, hatten wir. Die Abi-CD-ROM, auf der wir das komplette Abi-Buch und viele Videos untergebracht haben. Tobias hat sie in C++ programmiert und ich habe dafür gesorgt, dass wir die Inhalte zusammen bekommen und einen Sponsor gefunden haben. Das war die Sparkasse. Trotzdem die CD hätte ohne weitere Unterstützung 15 DM gekostet. Das wollten wir nicht. Denn ein Brenner war damals noch sehr teuer. So haben wir mit Polygram noch einen Kooperationspartner aufgetan. Die haben die CD zum Selbstkostenpreis dann gepresst.

J. B.: Und dann habt ihr sogar einen Preis gewonnen?

D. S.: Ja, dann haben wir das bei einem Wettbewerb der Sparkasse als besonders innovatives Jugend-Projekt eingereicht und wir haben gewonnen. Uns wurde im damals gerade frisch gebauten Komed im Mediapark von Jean Pütz der Preis überreicht. Ich glaube, wir haben 2000 DM gewonnen. Witzig ist, dass wir in eben diesem Komed vor wenigen Wochen als Sponsor auf der dotnet Cologne waren. Da schließt sich der Kreis wieder.

J. B.: Das war der Start eurer gemeinsamen Unternehmung?

T. K.: Genau, dann haben wir zusammen Wirtschaftsinformatik an der Uni Köln studiert und uns überlegt, dass wir eine Firma zusammen gründen wollen. Um das Jahr 2000 machte das ja jeder.

D. S.: So, wie mit der Kuhkrawatte vom Lindner muss man sich uns vorstellen. Voller Elan. Ich weiß noch, Tobias hat immer sehr auf die professionelle Außendarstellung geachtet. Wir hatten so ein „Handbuch der IT-Freiberufler“ mit ganz vielen guten Tipps. Wie zum Beispiel „Fahren Sie ein gut aufgeräumtes Auto“ und „Halten Sie sich an die Verkehrsregeln, wenn Sie Kunden mitnehmen“.

J. B.: Wie ging es dann weiter? Wer war der erste Kunde?

D. S.: Tobias hat den ersten Kunden im Fitness-Studio aufgetan. 

T. K.: Es war mein Fitness-Trainer. Der hat auch an der Sporthochschule gearbeitet und der hat direkt gesehen, dass ich Programmierer bin (lacht).

D. S.: Und dann hat dieser Sporttrainer uns seinem Chef vorgestellt, dem ein innovatives Orthopädie-Unternehmen gehörte. Dort wurden sehr spannende Produkte entwickelt und wir haben die entsprechenden IT-Systeme entwickelt. Also zum Beispiel einen Automaten, mit dem man testen konnte, wie gut Schuheinlagen Stöße abfedern oder wie lange so eine Einlage elastisch bleibt, bis sie ihre Funktion verliert. Irgendwann hat mich Tobias da mit rein gebracht, weil ich während meines Zivildienstes gelernt hatte, HTML-Seiten zu bauen. So haben wir unseren ersten Kunden beliefert, sogar noch vor der eigentlichen Gründung unserer gemeinsamen Firma. Die haben wir erst gegründet als das Vordiplom sicher war. Das war am 24. März 1999. Das war die Krautkremer/Schwarz GbR. Damals noch mit drei weiteren Mitstreitern.

J. B.: Was waren die wichtigsten Meilensteine?

T. K.: Das System für das Schweizer Außenministerium. Das war das erste richtig große Projekt, das wir damals hatten. Das war 2005.

D. S.: Das war dann wirklich mindestens dreimal so groß als das, was wir davor gemacht hatten.

T. K.: Wir haben ja vorher auch noch ernsthaft studiert. Uns war es wichtig, dass wir das Studium zu Ende bringen. Es hatte damals immer die höchste Priorität. Wir haben viel am Wochenende gearbeitet oder abends. Wir waren sonntags immer im Büro.

D. S.: Und haben uns noch bis vor fünf Jahren sonntags getroffen, würde ich jetzt fast sagen...

T. K.: Ich habe ja noch parallel an der Uni gearbeitet. Sonntags war der Hauptkampftag und wir hatten zum Glück Freundinnen, die das sogar gut fanden. Heute ginge das natürlich nicht mehr.

D. S.: Sonntagsmittag musste man spätestens im Büro sein und das ging dann schon mal gerne bis 22 Uhr. Der Auftrag für das Schweizer Außenministerium hat uns dann auch dazu gezwungen, über unsere eigenen Kapazitäten hinaus, noch ein paar Freelancer und Studenten dazu zu nehmen.

J. B.: Ihr hattet damals also schon Räumlichkeiten gehabt und nicht mehr von zu Hause aus gearbeitet.

D. S.: Ja, richtig, einer unserer Mitstreiter, Daniel Ottenberg, ein angehender Arzt, der aber genauso gut mit Computern wie mit Menschen umgehen konnte, hatte uns einen Kontakt zu einem befreundeten Unternehmer hergestellt, der schon damals, also schon 1999, die Idee hatte, Videostreaming anzubieten. Über seiner Agentur in einer Lagerhalle hatte er noch leerstehende Büroräume, in die wir ziehen konnten.

T. K.: Das Büro ohne Heizung, was oberhalb der Lagerhalle war...

D. S.: Das Büro hatte aber Strom und eine DSL-Leitung mit 768 Kilobit...

T. K.: Im Gegenzug haben wir hin und wieder PCs installiert oder kleine Sachen programmiert.

D. S.: Wir hatten also schon ziemlich früh unser Büro. Schon während des Studiums war das unsere Schaltzentrale. Da waren wir fünf Leute. Dorthin haben wir aus unseren Kinder- bzw. Jugendzimmern unsere Schreibtische und den Esstisch von Tobias Eltern hingebracht. Und seit dem Zeitpunkt hatte ich zuhause keinen PC mehr und musste immer ins Büro fahren. Dort haben wir auch unsere Klausuren und Hausarbeiten für die Uni vorbereitet.

J. B.: Dann seid ihr in die Köhlstraße umgezogen, warum?

T. K.: Die Lagerhalle wurde verkauft. In der Köhlstraße haben wir uns dann einmal durch das ganze Haus gearbeitet. Erst haben wir 30 qm gemietet und dann sind wir auf die ehemalige Chefetage des Sony-Europa-Quartiers mit Böden aus Marmor gezogen.

D. S.: ...und das Büro haben wir dann stillschweigend vergrößert, weil keiner sonst auf der Etage war.

T. K.: Nach meiner Promotion haben wir unseren ersten Mitarbeiter eingestellt. Das war ein Meilenstein. Und der nächste war, als ich zu Accenture gegangen bin und zwei neue Mitarbeiter, unsere heutigen 10-Jahres-Jubilare, Daniel und Viktor, eingestellt worden sind.

D. S.: Wir brauchten dann immer schneller neue Leute und da wir überhaupt keinen Plan von strukturiertem Recruiting hatten, haben wir einfach immer weiter die Freunde der bestehenden Mannschaft eingestellt. Viele davon sind heute noch bei uns. Das war ungefähr 2011/12. Da hatten wir einige große neue Kunden wie Apetito, Wincor Nixdorf, Carrier Kältetechnik und die Häuser KG dazugewonnen..

T. K.: 2009 hatte man noch eine wirklich gute Chance, gute Mitarbeiter zu gewinnen. Das ist heute um einiges schwerer. Damals sah der Markt noch ganz anders aus.

J. B.: Dann kam der Sprung zum Butzweilerhof... Wie kam der zustande? Wie viele Mitarbeiter wart ihr?

T. K.: Da waren wir so 25 Leute.

D. S.: Ja, aber man kann jetzt insgesamt nicht sagen, dass wir plötzlich einen Sprung gemacht haben. Wir sind immer organisch gewachsen. Es war und ist alles sehr bodenständig. Natürlich hast du hin und wieder so einen Endboss, den du besiegen musst, um die Firma ins nächste Level zu bringen. Du musst dir irgendwann die Frage stellen, reicht mir das jetzt und will ich das Ganze nur noch verwalten oder muss ich das Geschäft weiter ausbauen? Man bemerkt dann, dass einem die Mitarbeiter ans Herz gewachsen sind und man denen ja nicht sagen möchte: “So, du hast jetzt hier alles erreicht, such dir woanders eine neue Herausforderung!”

J. B.: Was war das Tollste, was ihr erlebt habt in den 20 Jahren?

T. K.: Es ist eigentlich nie etwas gewesen, was jetzt so richtig aus der Reihe gebrochen ist, dass wir zum Beispiel an der Börse oder so explodiert sind. Ne, es war ein konsequenter kontinuierlicher Prozess. Es sind Kunden gekommen, es sind Kunden gegangen.

D. S.: Das hört sich jetzt vielleicht total langweilig an, aber ich glaube, wenn man uns eine Eigenschaft zusprechen kann, dann ist das, dass wir nicht so schnell die Flinte ins Korn werfen. Manchmal gewinnt der Endboss vielleicht. Dann muss man ihn eben im zweiten Anlauf besiegen.

J. B.: Gab es eine große Herausforderung?

D. S.: Auf jeden Fall waren die ersten drei Jahre nach dem Studium, in denen man dann nicht mehr damit zufrieden war, dass man so gerade sein Studentenleben finanziert bekam. Da saßen wir dann tagsüber mit einem Haufen Praktikanten und haben nachts und am Wochenende alles neu programmiert. Das würde ich heute nicht mehr machen.

T. K.: Unter der Woche habe ich ja noch meinen Doktor gemacht, und nachts und am Wochenende war ich dann bei der lise. Aber, wenn wir diese Zeit nicht durchgestanden hätten, dann gäbe es die lise heute nicht.

J. B.: Was war das lustigste Ereignis?

T. K. : Das kann man bei uns wirklich nicht sagen. Bei uns ist es irgendwie immer lustig.

D. S.: Es gibt so viele Anekdoten. Ich sage nur Whiteboard-Wand mit... Aber ist ein Insider...

J. B.: Was macht den lise Spirit aus?

D. S.: Das möchten wir gar nicht selbst beantworten. Wenn man unsere Mitarbeiter fragt, hören wir  immer wieder, dass viele die familiäre und freundschaftliche Atmosphäre hervorheben.

T. K.: Jeder bringt sich mit seinen Stärken und auch Schwächen ein und gleichzeitig sind wir immer hochprofessionell (lacht)...

J. B.: Ja, die lise menschelt sehr, positiv gemeint.

D. S.: Natürlich ist es auch grundsätzlich ein Unterschied, ob man in einem Unternehmen arbeitet, das von den Eigentümern geführt wird oder nicht. Da ist die Atmosphäre immer familiärer.

J. B.: Was macht das Erfolgsgeheimnis der lise aus?

T. K.: Ich glaube, dass das tatsächlich darin begründet liegt, dass wir die richtigen Leute hier einstellen.

D. S.: ...und ein bisschen liegt es vielleicht auch daran, dass wir beide als Geschäftsführer uns einfach total gut ergänzen. Wir sind sehr unterschiedlich und damit auch unverwechselbar. Häufig sind wir sehr unterschiedlicher Meinung und müssen dann erst einmal ausdiskutieren,  was wir machen. Dabei kommen dann nicht selten erst die besten Lösungen zum Vorschein!

T. K.: ...und dann sind da ja auch noch unsere Kunden. Für die haben wir auch immer einen langen Atem gehabt und eigentlich noch jedes Projekt zu einem erfolgreichen Ende gebracht. Damit sind wir nicht schlecht gefahren, denn die Kunden, die das anerkennen, danken es einem mit einer langfristigen und partnerschaftlichen Zusammenarbeit. Das ist sicherlich auch ein Erfolgsgeheimnis.

J. B.: Was für einen Tipp würdet ihr euren damaligen Ichs auf den Weg geben? Was ihr vielleicht besser oder anders hättet machen können?

T. K.: Wenn man gewusst hätte, dass es wirklich alles so gut klappt, hätte man sich damals vielleicht 100.000 Euro leihen können und ein größeres Büro mieten, drei bis vier Leute einstellen und direkt in Marketing investieren. Dann hätte man sich eventuell zehn Jahre sparen können. Nicht falsch verstehen, aber wir sind mit nichts gestartet und haben uns auch nirgendwo Geld geliehen. Wir sind immer natürlich gewachsen. Wir haben immer das Geld verwendet, was das Unternehmen erwirtschaftet hat. Wir haben vielleicht jeder 300 Euro am Anfang investiert.

D. S.: Sehe ich genau so. Man hätte vielleicht an der einen oder anderen Stelle etwas mutiger sein sollen und hätte dann etwas größere Schritte gehen können.

J. B.: Letzte Frage: Was wünscht ihr euch für die nächsten 20 Jahre?

T. K.: Es wäre natürlich schön, wenn wir weiter wachsen und wir uns weiterentwickeln. Für mich wäre das gut, wenn wir weiter gesund wachsen und das gute Klima beibehalten. Und, wer weiß, was in dieser Branche schon nach fünf Jahren passiert?

D. S.: Ich möchte, dass es die nächsten 20 Jahre genauso gut weitergeht, wie die letzten. Wir sollten aber auch bei weiterem Wachstum gucken, dass wir es schaffen unseren familiären Charakter beizubehalten. Gleichzeitig muss man sagen, dass wir jetzt erst wissen, wie so ein Unternehmen funktioniert. Und deswegen sind wir nach wie vor richtig hungrig. Aktuell planen wir jedenfalls ein neues Produkt, das wir bald an den Markt bringen (grinst).

T. K.: Ja, ganz sicherlich gehen uns nicht die Ideen aus.

J. B.: Das glaube ich auch. Ich danke euch beiden für das spannende und ehrliche Interview und ich wünsche euch nochmal mindestens 20 tolle Jahre und viel Glück dafür!

 

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