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Example Mapping – so geht Ihnen keine Anforderung mehr durch die Lappen!

Häufig begegnet uns in der Softwareentwicklung das Problem impliziter Annahmen. Dies sind Anforderungen, in denen noch weitere Anforderungen versteckt sind. Diese sind für den Kunden oft nicht erwähnenswert, da dies zum Beispiel einer festgelegten Logik im Unternehmen entspricht. Wir als Dienstleister können diese oftmals nicht erkennen. Folglich wird die Anforderung komplizierter als ursprünglich angenommen. Daraus entsteht das Problem, dass Tickets im Sprint nicht fertiggestellt werden, da implizite Anforderungen existieren. Wir haben uns gefragt, wie wir dieses Problem eindämmen und sind dabei auf die Methode „Example Mapping“ gestoßen. Mit ihr bereiten wir mit Hilfe von simplen Veranschaulichungen Anforderungen effektiv auf.

Wie der Name vermuten lässt, spezifizieren wir unsere Anforderung mit Hilfe von Beispielen. Beispiele stellen ein bewährtes Mittel dar, mit denen viele Menschen gut abgeholt werden, weil sie sich konkret etwas darunter vorstellen können. Im Example Mapping existieren drei Dimensionen, die wir beleuchten:

  • Regeln
  • Beispiele
  • Rückfragen

Oberhalb der Regeln, Beispiele und Fragen steht die Story oder die Anforderung auf einer gelben Karte. Ein beliebtes Beispiel für die Erklärung der Methodik ist die Anforderung „Lieferadresse ändern“ in einem Pizza Bestelldienst. Die Regeln (blaue Karte) stellen die Akzeptanzkriterien dar, welche erfüllt sein müssen, damit die Story als fertig angesehen werden kann (Teil der DoD). Diese Regeln werden mit Hilfe von konkreten Beispielen (grüne Karten) erläutert und dargestellt. Bei der ersten Regel „Adressänderung erlauben, solange Bestellung noch nicht abgeholt wurde“ ist dies durch ein Positiv- und Negativbeispiel dargestellt. Es wird jeweils ein konkretes Beispiel genannt, in welchem Fall die Adresse geändert und nicht mehr geändert werden darf. Es dürfen beliebig viele Beispiele zu jeder Regel gefunden werden, um die Regel möglichst gut zu beschreiben. Bei der Formulierung von Regeln und Beispielen kommt es immer wieder dazu, dass Rückfragen auftauchen. Diese werden auf roten Karten visualisiert. Im Wesentlichen ist damit auch die gesamte Methodik bereits beschrieben. Kommen wir nun zu den Vorteilen und wie wir bei lise die Methodik noch nutzen.

Visuelles Feedback: direkt und deutlich

Durch die Example-Mapping-Methodik bekommen wir eine schnelle und klar visuelle Rückmeldung unserer Anforderungen. Daraus lassen sich mehrere Schlüsse ziehen:

  • Besitzt eine Regel (blaue Karte) zu viele Beispiele (grüne Karten) ist dies ein Indiz dafür, dass die Regel kompliziert ist. Tipp: Denke darüber nach, ob die eine Regel in mehrere Regeln aufgeteilt werden sollte.
  • Existieren sehr viele Regeln (blaue Karten) sollte darüber nachgedacht werden, ob die Anforderung als solche zu groß dimensioniert ist. Du kannst überlegen, ob ein Teil der Regeln in neue Anforderungen überführt wird, damit diese übersichtlich bleiben.
  • Bei zu vielen Rückfragen (roten Karten) wird deutlich, dass die Story noch zu viele Fragen aufwirft, welche vor der Bearbeitung geklärt werden müssen. Ebenfalls wird für die Stakeholder schnell deutlich, dass hier noch Gesprächsbedarf besteht.

Durch das schnelle Feedback wird allen Beteiligten direkt klar, an welcher Stelle die Anforderung noch geschärft oder evtl. auch zu mehreren Anforderungen zugeschnitten werden muss. Die Besprechung der Regeln und Beispiele schafft bei allen Beteiligten ein gemeinsames Verständnis, welches wichtig für die spätere Entwicklung ist.

Empfohlene Timebox für das Example Mapping

Eine typische Example-Mapping-Session dauert in der Regel nicht länger als 20 bis 30 Minuten pro Anforderung. Bei großen Anforderungen kann es sein, dass die Session auch mal länger dauert, was dann aber auch ein guter Indikator dafür ist, dass die Anforderungen nochmal in kleinere unterteilt werden sollten. Es bietet sich an, diese Art von Refinement vor oder nach dem täglichen Daily oder ein bis zweimal pro Woche in einem längeren Termin durchzuführen.

Fazit

Example Mapping ist ein einfaches, aber effektives Mittel, um Anforderungen so aufzubereiten, dass diese gut in einem Sprint abgearbeitet werden können. Dabei spricht folgendes für diese Methode:

  • einfaches visuelles Feedback über den Grad des Refinements der Story
  • aufzeigen von offenen Fragen
  • gemeinsames Verständnis durch praktische Beispiele
  • Vermeidung von zu großen Anforderungen in einem Sprint
  • Es geht schnell.

Das Ziel, Anforderungen „ready“ für den Sprint zu machen, ist mit dieser Methode sehr gut zu erfüllen. Daher haben wir nur gute Erfahrungen mit der Anwendung von Example Mapping gemacht und empfehlen es unseren Kunden.

Wenn ihr mehr über die Methodik erfahren wollt, findet ihr hier einen Blog zum Thema.  

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