Der lise Blog:
Einsichten, Ansichten, Aussichten

Unser Herz schlägt für den Butz

In dem Blogbeitrag über unseren Büroumzug 2022 geben wir einen Einblick, warum wir ein Büro auch trotz einkalkulierter Home-Office-Abwesenheiten für sinnvoll erachten. Bei der Suche nach einem neuen Büro haben wir unseren bisherigen Standort jedoch nie infrage gestellt: Wir wollen auf jeden Fall im Butzweilerhof bleiben. Hier sind wir verwurzelt, haben ein starkes Partnernetzwerk, und sind aus allen Himmelsrichtungen schnell zu erreichen.

Darüber hinaus ist dieser Standort reich an Geschichten großer Erfinder und inspirierender Pioniere. Wir sind uns zwar noch nicht ganz sicher, ob wir uns mit unseren Projekten auch irgendwann in die Liste berühmter Personen einreihen können, aber danach zu streben und Pioniergeist an den Tag zu legen, sind dafür ja schon mal keine schlechten Voraussetzungen. 😉 Kommen Sie mit auf eine Zeitreise durch den Butzweilerhof!

Pioniere zu Land und zu Luft

Die Straßennamen im Viertel verraten es – hier wurde Luftfahrtgeschichte geschrieben: Von der Melli-Beese-Straße, deren Namensgeberin die erste deutschen Flugzeugpilotin ist, über die Von-Hünefeld-Straße, gewidmet dem Initiator der ersten Ost-West-Atlantiküberquerung, hin zur Köhlstraße, die nach dem Piloten dieses bahnbrechenden Flugs benannt ist.

Bild links: Melli Beese vor Flugzeug, von Bundesarchiv, Bild 183-1983-0617-302 / CC-BY-SA 3.0. Bild rechts: Hermann Köhl, Ehrenfried Günther Freiherr von Hünefeld und James Fitzmaurice vor Atlantiküberquerung, von Bundesarchiv, Bild 102-05719 / Georg Pahl / CC-BY-SA 3.0
 

Flugpionier Jean Hugot stellte hier seinen Fliegerschuppen noch auf einem Rübenacker auf. Darin parkte auch August Euler seine Propellermaschine. Bekannt wurde dieser vor allem für seinen damals außergewöhnlich langen Flug von 1 Stunde und 19 Minuten.

Bild links: August Euler vor 1910. Bild rechts: Stele mit Darstellung der Flughafengeschichte von Superbass - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0


Später starteten die Zeppelin-Luftschiffe vom Butzweilerhof. In den 20er und 30er Jahren wurde dieser sogar zum wichtigsten Flughafen Deutschlands - genannt „Drehkreuz des Westens“. Das dazugehörige, ikonische Gebäude im Bauhaus-Stil steht immer noch und wird heute von dem Dienstleistungszentrum „Motorworld“ genutzt, das sich auch der Mobilität verschrieben hat (Wenn auch nicht zu Luft, sondern zu Land). Unter anderem ist dort die Michael Schumacher-Collection beheimatet, die zahlreiche Autos, Helme und weitere Memorabilia aus der Karriere der Formel 1-Legende ausstellt.

Butzweilerhof Haupteingang, 1937, von Bundesarchiv, Bild 183-S28276 / CC-BY-SA 3.0
 

Portal der Abfertigungshalle Butzweilerhof, von Superbasss, Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0
 

Die Motorworld Köln auf dem Gelände des ehemaligen Flughafens Köln-Butzweilerhof, von © 1971markus@wikipedia.de, Eigenes WerkCc-by-sa-4.0


Die Motorworld firmiert dabei unter dem Namen Nicolaus Otto Park GmbH & Co KG, dem Namensgeber des Otto-Motors Rechnung tragend. Denn vor fast 150 Jahren ist dieser hier in Köln entwickelt worden. Die Automobil-Pioniere Ettore Bugatti, August Horch, Wilhelm Maybach und Carl Benz haben ebenso ihre Spuren in der Rheinmetropole hinterlassen und technische Lösungen entwickelt, die noch heute weltweiter Standard sind (es aber wahrscheinlich nicht mehr allzu lange sein werden. Schließlich schreitet die E-Mobilität mit großen Schritten voran).

Ein weiteres Unternehmen am Butzweilerhof erinnert wiederum an die Luftfahrtgeschichte. Die typisch markante Wellblechverkleidung der Junkers Ju ist auch heute noch ein Blickfang, denn die Firma Rimova entwickelte ihre weltberühmten Koffer ursprünglich als passendes Accessoire zur „Tante Ju“. Die hier angesiedelten Fertigungs- und Verwaltungsgebäude zeigen sich dementsprechend im gleichen Look.

Junkers Ju 52 mit typischem Rillenmuster, von Huhu Uet (Frank Schwichtenberg) - Eigenes Werk, CC BY 3.0.
 

Rimowa-Gebäude in der Matthias-Brüggen-Straße am Butzweilerhof

 

Handwerker wie wir

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Butzweilerhof dann zeitweise von der Royal Air Force und ab 1957 auch als Sportflughafen genutzt. In den dann folgenden Jahren des wirtschaftlichen Aufschwungs siedelten sich unmittelbarer Nähe des Flughafens kleinere Handwerksbetriebe an. Wie passend, dass die Handwerkskammer zu Köln sich nur einen Steinwurf entfernt niedergelassen hat.

Unserer Meinung nach befinden wir uns damit in guter Gesellschaft, denn als praktizierende Anhänger von Software Craftsmanship sehen wir uns selbst ohnehin weniger als Software-Architekten, sondern eher als Software-Handwerker, sogenannte Softwerker. Nur mit dem Unterschied, dass die Tastatur unser Werkzeug ist.

 

Ikonen vor Ort

Über die Jahre hinweg wandelte sich die Nutzung des Flughafengeländes. Bestes Beispiel: Nachdem der Zivilverkehr im September 1980 eingestellt wurde, feierte Papst Johannes Paul II. auf dem ehemaligen Flugfeld eine Heilige Messe vor 380.000 Zuschauern.

Der Papst am Butzweilerhof ab 1:40 Minute.
 

Genauso gesegnet wie die Kirchenanhänger dürften sich Rockfans aus ganz Deutschland gefühlt haben, als sie zwischen 1996 und 1999 das Bizarre Festival hier besuchten. Die Ikonen der Band U2 gaben sich 1997 ebenso die Ehre, hier vor 60.000 Zuschauern das Flughafengelände für ihre Popmart-Tour zweckzuentfremden. Das gefiel auch den Handwerkern vor Ort: Die Arbeiter konnten direkt aus ihren Garagen heraus dem musikalischen Treiben auf dem Rollfeld folgen.  

Eintrittskarte für das Bizarre Festival 1996 (mit freundlicher Genehmigung von motorhorst.de)
 

U2 Konzert am Butzweilerhof 1997
 

Der Papst, Bono... und einer fehlt in dieser Aufzählung natürlich noch:  Dieter Bohlen - seines Zeichens Pop-Pionier! 😉
Seit den 90er Jahren haben sich zahlreiche Medienunternehmen hier am Butzweilerhof die Klinke in die Hand gegeben: Vox, Viva, Endemol, Constantin Entertainment und die MMC Studios, in denen unter anderem „Deutschland sucht den Superstar“ gedreht wird. Tragende Rolle spielte dabei bekanntermaßen der ehemalige Modern Talking Sänger.

Weitere Fernsehgeschichte wurde in unmittelbarer Nähe zu unserem Büro geschrieben, als der Big Brother Container zum ersten Mal als Drehort diente. Das damals völlig neue Format revolutionierte die Fernsehlandschaft und brachte die ersten Reality-TV-Stars hervor.

Einzug in den Big-Brother Container am Butzweilerhof im Jahr 2000 (Ab Sekunde 22)
 

Auch richtige A-Prominenz versammelt sich hier regelmäßig, nämlich zur Verleihung des Deutschen Fernsehpreises. Dieser wird in diesem Jahr wieder aus dem Coloneum in Ossendorf übertragen.

In diese vor Ikonen und Pionieren geprägte Umgebung haben wir uns vor mehr als 22 Jahren niedergelassen: Unser erstes Büro war noch eine unbeheizte Lagerhalle. Doch schon bald zogen wir innerhalb des Butzweilerhofs um. Zuerst in das ehemalige Sony-Verwaltungsgebäude, dann 2012 in den Butzweilerstern.

So haben wir uns hier am „Butz“ verwurzelt, sind heute tief vernetzt mit den benachbarten Unternehmen, tauschen uns über das Forum-am-Butzweilerhof regelmäßig aus und agieren nach der Devise „Support your local Gastro“. Unsere Lieferanten kommen auch schon mal zu Fuß vorbei, um ihre Waren auszuliefern.

 

Pioniergeist als Ansporn

Wir möchten uns nicht allen Ernstes in einer Reihe mit den Erfindern und Berühmtheiten am Butzweilerhof stellen. Wir möchten uns allerdings auch nicht einfach darauf ausruhen, dass wir an einem solch geschichtsträchtigen Ort arbeiten. Die Pioniere der Vergangenheit sind unser Ansporn für die Digitalisierung der Zukunft. Wir wollen den Wandel des Gebiets von einem Büro- zu einem Digitalisierungsstandort aktiv gestalten.

Mit unserem Umzug in den kite wollen wir hoch hinaus, im wahrsten Sinne des Wortes. Wenn wir ab Mitte 2022 unsere Büroräume auf der obersten Etage des Neubaus beziehen, machen wir das nicht nur, weil die Anzahl unserer Mitarbeitenden gewachsen ist.

Entwurf und Visualisierung: HPP Architekten, HH Vision.
 

Wir wollen Digitalisierungsthemen sichtbar machen. Raum anbieten für Ideen: Veranstaltungen unserer lise Academy und der Softwerkskammer werden wir im „Digibutz“ durchführen, unserem Format für Workshops, Events und Schulungen. Dieses soll für die gesamte Community offenstehen und als zentraler Treffpunkt für Meet-ups und digitale Innovationen dienen.

Und wer weiß, vielleicht entwickeln wir bei diesen idealen Voraussetzungen dann doch noch etwas, dass uns in einer Reihe mit Bono und dem Papst stehen lässt…

 

Diesen Artikel weiterempfehlen

 Teilen  Teilen  Teilen  Teilen