Open Source ist heute allgegenwärtig. 98 % aller Software-Codebasen enthalten Open-Source-Komponenten. Unternehmen setzen auf freie Bausteine, um schneller zu entwickeln und Kosten zu sparen.
Frei heißt aber nicht bedingungslos. Jede Komponente bringt eine Lizenz mit – und manche davon haben Folgen für dein eigenes Produkt.
Schon eine einzige falsche Lizenzentscheidung kann teuer werden. Im Extremfall drohen Unterlassungsverfügungen, die den Vertrieb oder Betrieb eines Produkts stoppen.
Wie verbreitet das Problem ist, zeigt derselbe Report: Zwei Drittel (68 %) der untersuchten Codebasen enthalten Lizenzkonflikte. Im Vorjahr waren es noch 56 %.
Vielleicht denkst du jetzt: Noch ein Compliance-Thema neben allem anderen? Verständlich. Wenn dein Team ohnehin am Limit liefert, klingt Lizenzmanagement nach Bremse. Die gute Nachricht: Richtig aufgesetzt, läuft das meiste automatisch mit – und erspart dir später deutlich mehr Aufwand.
Wir haben dazu mit unserem Entwickler Niko Ebener gesprochen. Er erklärt, worauf es bei Open Source im Unternehmen ankommt und wie eine SBOM dabei hilft.
Open-Source-Lizenz ist nicht gleich Open-Source-Lizenz. Grundsätzlich unterscheidet man zwei Kategorien:
| Lizenz | Typ | Was das für dich bedeutet |
|---|---|---|
| MIT License | permissiv | Praktisch nur Urheber*innen nennen |
| BSD (2-Clause, 3-Clause) | permissiv | Urheber*innen nennen; bei 3-Clause nicht mit ihrem Namen werben |
| Apache License 2.0 | permissiv | Wie MIT, zusätzlich ausdrückliche Patentlizenz und teils Hinweispflichten |
| Mozilla Public License 2.0 (MPL) | schwaches Copyleft | Änderungen an MPL-Code bei Weitergabe offenlegen; eigener Code in separaten Dateien darf proprietär bleiben |
| GNU Lesser General Public License (LGPL) | schwaches Copyleft für Bibliotheken | Einbinden in proprietäre Software möglich, wenn Nutzende die Bibliothek austauschen können (z. B. durch dynamisches Linken); Änderungen an der Bibliothek offenlegen |
| GNU General Public License (GPL) | starkes Copyleft | Bei Weitergabe den gesamten Quellcode der abgeleiteten Software unter der GPL an die Empfänger*innen geben |
| GNU Affero General Public License (AGPL) | starkes Copyleft, auch im Netzwerk | Wer eine veränderte Version z. B. als SaaS bereitstellt, muss allen Nutzenden den Quellcode anbieten – auch wenn sie nur im Browser darauf zugreifen |
Typ: permissiv
Was das für dich bedeutet: Praktisch nur Urheber*innen nennen
Typ: permissiv
Was das für dich bedeutet: Urheber*innen nennen; bei 3-Clause nicht mit ihrem Namen werben
Typ: permissiv
Was das für dich bedeutet: Wie MIT, zusätzlich ausdrückliche Patentlizenz und teils Hinweispflichten
Typ: schwaches Copyleft
Was das für dich bedeutet: Änderungen an MPL-Code bei Weitergabe offenlegen; eigener Code in separaten Dateien darf proprietär bleiben
Typ: schwaches Copyleft für Bibliotheken
Was das für dich bedeutet: Einbinden in proprietäre Software möglich, wenn Nutzende die Bibliothek austauschen können (z. B. durch dynamisches Linken); Änderungen an der Bibliothek offenlegen
Typ: starkes Copyleft
Was das für dich bedeutet: Bei Weitergabe den gesamten Quellcode der abgeleiteten Software unter der GPL an die Empfänger*innen geben
Typ: starkes Copyleft, auch im Netzwerk
Was das für dich bedeutet: Wer eine veränderte Version z. B. als SaaS bereitstellt, muss allen Nutzenden den Quellcode anbieten – auch wenn sie nur im Browser darauf zugreifen
Permissive Lizenzen bieten maximale Freiheit. Copyleft-Lizenzen sorgen dafür, dass Verbesserungen wieder der Community zugutekommen. Beides ist legitim. Entscheidend ist, dass du weißt, welche Lizenz wo in deinem Produkt steckt.

Ein Snickers listet auf seiner Packung 14 Zutaten auf. So sehen Konsument*innen direkt, was in dem Riegel steckt.
Eine Software Bill of Materials (SBOM) macht dasselbe für Software. Sie ist eine strukturierte Liste aller Komponenten wie Bibliotheken und Module, inklusive Versionsnummern und Lizenzinformationen.
Eine regelmäßig aktualisierte SBOM verschafft dir einen möglichst vollständigen Überblick. Das ist gleich doppelt wichtig: für die Sicherheit und für die Lizenz-Compliance.
Ende 2021 wurde eine kritische Sicherheitslücke in Log4j bekannt. Die Java-Bibliothek ist seit rund 20 Jahren der De-facto-Standard, um Ereignisse, Statusmeldungen und Fehler in Log-Dateien zu protokollieren.
Das Problem: Viele Unternehmen wussten zunächst gar nicht, ob sie betroffen waren. Log4j steckte oft als indirekte Abhängigkeit in ihrer Software – unsichtbar für alle, die nur auf die direkt eingebundenen Pakete schauten.
Eine SBOM hätte Gewissheit verschafft. Mit ihr weißt du jederzeit, welche Pakete in welchen Versionen in deiner Software stecken. Im Ernstfall findest du die betroffene Komponente sofort und kannst schnell reagieren.
Auch der Gesetzgeber hat das erkannt. Der Cyber Resilience Act (CRA) der EU verlangt von Herstellern, die Software-Komponenten ihrer Produkte zu dokumentieren – unter anderem als SBOM in einem gängigen, maschinenlesbaren Format.
Wenn du Hardware samt Software in der EU verkaufst, wie viele Maschinen- und Anlagenbauer, betrifft dich das direkt.
Gut zu wissen: Laut CRA muss die SBOM mindestens die Top-Level-Abhängigkeiten abdecken. Veröffentlichen musst du sie nicht, nur der Marktüberwachung auf Anfrage vorlegen.
Unsere Einordnung: Beim Fall Log4j hätte das nicht gereicht, denn die Bibliothek steckte meist tief in indirekten Abhängigkeiten. Es lohnt sich also, die SBOM gründlicher aufzusetzen, als das Gesetz verlangt.
Auch für das Lizenzmanagement ist eine SBOM eine echte Erleichterung. Sie ist das Inventar aller Open-Source-Komponenten und ihrer Lizenzen.
So können Entwickler*innen und Compliance-Verantwortliche jederzeit prüfen, welche Lizenzauflagen gelten. Du siehst zum Beispiel auf einen Blick alle GPL-Komponenten in deinem Produkt. Dann kannst du rechtzeitig planen: den Quellcode zur Weitergabe vorbereiten oder die Komponente ersetzen.
SBOM-Tools erzeugen diese Listen in Standardformaten wie SPDX oder CycloneDX. Dadurch lassen sie sich auch mit Partnerunternehmen und Kund*innen austauschen.
Kurz: Eine SBOM schafft Transparenz. Und Transparenz schafft Sicherheit.

Eine Enterprise-Anwendung kann leicht Tausende direkte und transitive Dependencies (= indirekte Abhängigkeiten) haben. Manuell behält da niemand den Überblick.
Wir setzen deshalb auf tool-gestützte, strukturierte Prozesse:
Ist das einmal eingerichtet, läuft es im Alltag weitgehend automatisch mit. Dein Team kann sich auf die Produktentwicklung konzentrieren, statt kurz vor dem Release von Lizenzfragen ausgebremst zu werden.

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Ein Beispiel aus unserem Team: Ein Unternehmen aus dem Maschinenbau verkauft seine Maschinen inklusive Software, die wir mitentwickelt haben. Die Software verlässt also das Haus und landet bei den Endkund*innen. Genau dadurch können zusätzliche Pflichten aus Open-Source-Lizenzen entstehen.
Unser Kunde wollte deshalb wissen: Haben die eingesetzten Komponenten, etwa eine Zeitreihendatenbank, Lizenzbedingungen mit Folgen für seinen bestehenden Stack?
Dabei zeigten sich zwei typische Stolpersteine:
Wir haben eine SBOM erstellt und mit dem Open-Source-Tool Dependency-Track auf kritische Komponenten geprüft. Intern nutzen wir Dependency-Track vor allem, um Sicherheitslücken und Abhängigkeiten in Kundenprojekten laufend im Blick zu behalten. Das Ergebnis: eine verlässliche Dokumentation der tatsächlich verwendeten Komponenten.
Die SBOM ging anschließend an die Rechtsabteilung unseres Kunden, die die rechtliche Bewertung übernommen hat. Diese Arbeitsteilung hat sich bewährt: Entwickler*innen liefern die technische Transparenz, Jurist*innen bewerten.

In 5 Minuten finden Sie heraus, wie gut Ihr Unternehmen auf die digitale Revolution mit KI vorbereitet ist.
In unserer Checkliste beleuchten wir 7 Bereiche, vom Datenmanagement bis zur Sicherheit.
Bleiben Sie wettbewerbsfähig!
Ob CTO, Produktmanager*in oder Entwickler*in: Diese acht Schritte haben sich in unseren Projekten bewährt.
Prüfe neue Versionen vor dem Einspielen, pinne Versionsstände und erzeuge bei jedem Update eine neue SBOM.
Open Source ist aus der Softwareentwicklung nicht wegzudenken. Die Vorteile für Geschwindigkeit, Innovation und Kosten sind zu groß.
Genauso real sind aber die Risiken, wenn Lizenzauflagen übersehen werden oder Abhängigkeiten im Dunkeln bleiben. Im schlimmsten Fall drohen teure Rechtsstreitigkeiten.
Die Lösung ist kein Verzicht, sondern Überblick: klare Lizenzregeln, eine vollständige SBOM und automatisierte Prüfungen in der Pipeline.
Mit dem Cyber Resilience Act wird die SBOM für viele Hersteller ohnehin Pflicht. Wenn du jetzt einsteigst, bist du vorbereitet, bevor Kund*innen oder Behörden danach fragen.
Am Ende gilt: Nicht Open Source ist das Risiko, sondern Open Source, von dem du nichts weißt.
Wir entwickeln digitale Produkte, die zu dir passen. Von der ersten Idee über die Umsetzung bis zum Betrieb. Sicherheit und Transparenz denken wir dabei von Anfang an mit.
Mit über 27 Jahren Erfahrung und mehr als 700 Projekten begleiten wir dich:
Eine Software Bill of Materials ist eine strukturierte Liste aller Komponenten einer Software, inklusive Versionen und Lizenzen. Sie funktioniert wie eine Zutatenliste und zeigt auch indirekte Abhängigkeiten.
Für viele Hersteller ja. Der Cyber Resilience Act verlangt für Produkte mit digitalen Elementen, die in der EU verkauft werden, eine SBOM in maschinenlesbarem Format. Die Hauptpflichten gelten ab dem 11.12.2027.
Permissive Lizenzen wie MIT, BSD oder Apache 2.0 lassen sich meist problemlos nutzen, solange du die Hinweispflichten erfüllst. Bei Copyleft-Lizenzen wie GPL oder AGPL solltest du den Einsatz vorab prüfen lassen.
Die GPL greift, wenn du Software weitergibst. Die AGPL greift zusätzlich, wenn Nutzende über ein Netzwerk auf eine veränderte Version zugreifen, etwa bei SaaS.
Nein. Die SBOM liefert die technische Faktenbasis. Die verbindliche Bewertung übernimmt die Rechtsabteilung oder eine spezialisierte Kanzlei.
zu Software und Agilität